10 Jahre Geburtshaus Kassel e.V.
Das Geburtshaus Kassel e.V. feierte im vergangenen Jahr seinen 10. Geburtstag.
In dieser Zeit sind in der Motzstrasse 6 über 830 Kinder geboren.
Wir sprachen mit Gabi Kopp. Sie ist eine der 8 Geburtshaushebammen und Gründungsmitglied des Geburtshauses.
Frau Kopp, warum haben Sie 1997 das Geburtshaus mitgegründet?
G.K.: Frauen, deren Schwangerschaft unkompliziert verlief, suchten nach einer Möglichkeit gemeinsam mit ihrem Partner oder anderen Vertrauten die Geburt ihres Kindes nach ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten, ihre eigene Gebärposition zu wählen. Sie wollten ungestört in einer angenehmen, ruhigen Umgebung ihr Kind bekommen. Die Frauen wollten nicht in ein Krankenhaus, denn sie fühlten sich nicht krank. Das Zuhause entsprach nicht ihren Sicherheitsbedürfnissen oder hatte einfach zu dünne Wände.
Die Frauen suchten nach einer Alternative zur Klinikgeburt ?
G.K.: Ja, damals gingen diese Frauen in die Tagesklinik in der Tischbeinstrasse, um ihr Kind ambulant zu gebären. Die Gründerinnen des Geburtshaus arbeiteten dort.
Als die geburtshilfliche Abteilung der Tagesklinik geschlossen wurde, gründeten wir das Geburtshaus Kassel e.V.
Was war das Besondere am Geburtshaus Kassel ?
G.K.: Es schloss die Lücke zwischen Klinik- und Hausgeburt und war hebammengeleitet. Das war neu für Kassel.
Darüber hinaus umfasst das Geburtshausangebot bis heute ein weites Spektrum:
Von Feststellung der Schwangerschaft, Schwangerenvorsorgeuntersuchungen, über die Geburt, Wochenbettbetreuung bis zum Babyschwimmen können sich die Eltern hier von den Hebammen anleiten und begleiten lassen.
Das Geburtshaus bietet also eine Rundumbetreuung für werdende Eltern ?
G.K.: Ja, einige wählen ein Einzelangebot, viele entscheiden sich jedoch für das „Gesamtpaket“. Sie werden dann von uns über 1,5 Jahre begleitet. Wir lernen uns dabei intensiv kennen, so dass sich ein gutes Vertrauensverhältnis entwickeln kann.
Vor allem bietet sich über die Kurse die Möglichkeit andere in einer ähnlichen Lebenssituation kennen zu lernen. Freundschaften werden geschlossen, Krabbelgruppen gegründet. Es tut gut, sich in dieser neuen Lebenssituation „Familie“ mit anderen austauschen zu können, sich gegenseitig zu unterstützen.
Dafür bietet das Geburtshaus Strukturen an. Das ist der Vorteil unseres weiten Angebotes.
Das Geburtshaus Kassel ist hebammengeleitet, was bedeutet das ?
G.K.: Ja, das Geburtshaus wird von einem Hebammenteam geleitet. Wir Hebammen arbeiten sehr eng zusammen. Bei einer Geburtshausgeburt sind immer zwei Hebammen anwesend. Im Laufe der Schwangerschaft lernt die Frau das gesamte Team kennen, so dass ihr die Geburtshebammen auf jeden Fall rechtzeitig vertraut sind. Wir haben hohe Qualitätsansprüche an uns, an denen wir kontinuierlich weiterarbeiten. Risiken zu erkennen und entsprechend zu handeln, ist uns dabei sehr wichtig. Dazu gehören selbstverständlich aufgeklärte Eltern und eine gute Kooperation mit den betreuenden Gynäkologen. Wenn es zu einer Verlegung kommen sollte arbeiten wir mit dem Klinikum Kassel zusammen, wo wir seit Herbst 2006 auch Beleggeburten anbieten.
Das Paar entscheidet sich also für das gesamte Geburtshausteam und nicht für eine einzelne Hebamme ?
G.K.: Ja, das hat den Vorteil, dass die Hebammen nicht überarbeitet sind. Außerdem haben einige von uns eine Zusatzausbildung als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Traditionelle Chinesische Medizin oder Klassische Homöopathie. Diese Angebote können dann auch von allen Frauen in Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit in Anspruch genommen werden.
Was hat sich verändert in 10 Jahren Geburtshausarbeit?
G.K.: Das Angebot für werdende Eltern ist in Kassel viel größer geworden, so dass die Eltern den Geburtsort ihres Kindes tatsächlich auswählen können. Geburtshäuser finden mittlerweile auch bei den Krankenkassen Anerkennung. Die Kassen werden zukünftig die Betriebskosten der Geburtshäuser übernehmen. Hierzu gibt es mit der aktuellen Gesundheitsreform eine gesetzliche Regelung im Sozialgesetzbuch. Die konkrete Umsetzung wird zur Zeit verhandelt, so dass es zukünftig für die Eltern außer einer Rufbereitschaftspauschale keine finanziellen Belastungen mehr geben mag.
Das Geburtshaus Kassel hat sich weiter entwickelt, unser Erfahrungsschatz ist groß geworden.
Die Qualitätszertifizierung des Geburtshaus im Januar 2007 hat bestätigt, wie professionell wir arbeiten.
Vielen Dank
Gabi Kopp.

